»Qualität« ist ein dehnbarer und deshalb inflationär verwendeter Begriff, der über die Beschaffenheit eines zunächst einmal beliebigen Produkts oder einer Dienstleistung hinreichend Auskunft geben soll. Wie viel davon Kostümierung, lärmendes Blendwerk ist, der Oberfläche mehr an Bedeutung beigemessen wird als dem Inhalt – wer kennt das nicht?
Man darf auch fragen, ab wann ein Produkt tatsächlich von Qualität ist oder ob die Verwendung des Gütesiegels einzig als geschickte Marketingstrategie eingesetzt wird. Schließlich ist Qualität ein Versprechen für die Sehnsuchtsformel nach Echtheit, die vom Zeitgeist der inszenierten Versprechungen und nach Drehbüchern nachgespielter Realität entstellt ist. Wer von sich wie Jörg Leidemann sagt: »Nur Qualität zählt« muss seinen Anspruch auf den Prüfstand stellen, seine Haltung und seine Leidenschaft beweisen.
Jörg Leidemann ist ein echter Whiskykenner. In seinem Gummersbacher Raritätengeschäft »Laird of Glenmore« steht nicht die maskierte Dekoration im Vordergrund, sondern die seltenen Erzeugnisse der Lost Distilleries, die im Zuge der Umstrukturierung der britischen Gesellschaft durch Premierministerin Margret Thatcher in Konkurs gegangen sind. Auf diese teils in Vergessenheit geratenen Erzeugnisse hat Jörg Leidemann seinen Fokus gerichtet, die weder eine Verkaufsinszenierung brauchen noch einer schillernden Marketingstrategie bedürfen, denn echte Raritäten sprechen für sich selbst. Sie umgibt die Aura des Verlorengegangenen, als der Whisky wahrscheinlich zu recht das »Wasser des Lebens« war.
Im Rahmen der 2. Whisky’n’More referiert Jörg Leidemann zum Thema: »Flüssige Aktien« und an seinem Messe-Verkaufstand präsentiert »Laird of Glenmore« eine Besonderheit: einen 41 Jahre alten Ben Nevis aus dem Jahr 1967, der 2009 auf die Flasche gezogen worden ist.


